Konservierung von Bernstein (mit Inklusen, Einschlüsse oder ohne) nach der Lackmethode
(Beschichtung mit Einkomponenten-Polyurethanharz, "Lack" genannt)

Viele Bernstein-Inklusensammler haben sich in der letzten Zeit entschlossen, ihre Sammlungsstücke zu konservieren. Ich meine, das ist der richtige Weg. Denn schließlich sollen die Inklusen auch nach einigen Jahrzehnten noch sichtbar und erhalten sein, möglichst noch viel länger für die nächsten Generationen. Es ist eine Methode zum Schutz gegen Oberflächenverwitterung des Bernsteins durch vornehmlich Sauerstoff und Austrocknung. Langzeiterfahrungen haben wir selbst noch nicht; meine ersten Bernsteine konservierte ich 1994, die Oberfläche hat sich in keinster Weise verändert. Die Firma Rüegg sprach von 40-jähriger Erfahrung: keine Veränderung!

Der Bernstein kann jederzeit trotz Beschichtung mit normalen Schleifmitteln weiter bearbeitet/beschliffen werden. Will man brüchige Stücke, nicht ganz feste Schlauben beschleifen, dann ist es häufig sinnvoll, zunächst eine Beschichtung zur Stabilisierung vorzunehmen, damit der Lack eindringt und den Bernstein festigt.

Es gibt verschiedene geeignete Lacke, am besten lufttrocknende, feuchtigkeitshärtende, einkomponentige Holzbodenversiegelungslacke auf Polyurethanbasis. Die besten Ergebnisse habe ich erzielt mit dem uns lange bekannten Lack:

ACRÜDUR R 40 einkomponentig + Acrüdur-Verdünner

Einige neue Produkte haben einen Vergilbungsschutz, einige nicht. Das spielt für uns Bernsteinsammler aber keine Rolle, da der Bernstein eh gelblich ist...

Andere geeignete Lacke hatten immer irgendeinen Nachteil, wie z.B. nicht widerstandsfähig gegen kurzfristigen Kontakt mit Reinigungsbenzin oder Benzylbenzoat (wichtig für die Fotofreunde) oder die Oberfläche war rau (bei starker Vergrößerung zu erkennen) oder nicht hart genug.

Vorsicht: Harz und Verdünner sind gesundheitsschädlich, beim Arbeiten lüften! Aushärtungszeit: nach einem halben Tag handtrocken, nach 1 Tag belastbar (besser: 2 Tage).



Vorbereitungsarbeiten:

o Staubfreien Raum schaffen, z. B. in einem Schrank, großer Schachtel, Kiste. So stellen, dass der Deckel nach vorne aufgeht. Unter die Oberseite Styropor kleben, in das die Nadeln später gesteckt werden können.
o viele Nadeln mit ca. 10 cm Zwirnsfaden versehen. Die Nadeln mit Fäden können vielfach wiederverwendet werden, da man sie später direkt am Bernstein abschneidet.
o Bernsteine entsprechend beschleifen (bis zum 4000er-Schliff, nicht mit Poliermasse polieren, wenn polieren, dann mit Zahnpasta oder Edelstahlpflege-Milch), gut säubern, ev.vorhandene alte Poliermasse entfernen (mit feinster Nadel die Ritzen säubern), staubfrei lagern.
o Fadenende an den Bernstein kleben, gegenüber der dünnsten, spitzesten Stelle des Steins. Am besten eignet sich ein Zweikomponentenkleber, z.B. UHU plus schnellfest, aber auch Sekundenkleber ist geeignet(Vorteil:schnellere Aushärtung, Nachteil:schwierigere Verarbeitung). Achtung: Zweikomponentenkleber muss mindestens einen halben Tag aushärten (besser 1 Tag), sonst löst der Lack ihn wieder an und der Stein fällt ab! Weiterhin staubfrei lagern.

Tauchen vorbereiten:
o Lackmischung herstellen, in einem möglichst kleinen Gefäß (z.B. Filmdöschen, dieses Plastik löst sich nicht, andere Plastiksorten lösen sich - Achtung!) die entsprechende Menge Lack und Verdünner verrühren. Die Verdünnung richtet sich nach dem, was man erreichen will:
o normale Erstbeschichtung: Verhältnis Lack:Verdünner = 4:1 oder 3:1. Soll der Lack in feinste Risse, Schlaubengrenzen hineinziehen, dann sogar Verdünnung bis 2:1.
o Zweitbeschichtung(am besten nach spätestens 4-6 Stunden, da sich dann 1. Beschichtung noch sehr gut mit 2. Beschichtung verbindet; aber auch später ist eine Zweitbeschichtung jederzeit möglich): sinnvoll bei kleinen oder dünnen Steinen oder wenn die Inkluse sehr dicht unter der Oberfläche liegt: Verdünnung 4 : 1 wie bei Erstbeschichtung.
o Nur so viel Lack anrühren, wie man in den nächsten Tagen verwenden will und immer sofort wieder verschließen, sonst verdunstet zu viel (ungesund und Lack wird zähflüssiger). Man kann nach wenigen Tagen einmalig auch wieder etwas Verdünner zugeben und gut verrühren.
o Achtung: ist z.B. ein Flügel angeschliffen oder die Inkluse offen oder ein Riss/Flinte zieht bis zur Inkluse hin, dann zieht der verdünnte Lack in die Inkluse hinein, der Flügel kann optisch verschwinden oder die Inkluse wird dunkel. In solch einem Falle sollte man mit dem Zweikomponentenkleber, mit dem man den Faden anklebt, die offene Inkluse verschließen (geht gut mit feiner Nadel, ich benutze Einwegspritzen).
o Grundsätzlich gilt: je stärker die Verdünnung, desto besser zieht der Lack in die Risse und Schlaubengrenzen ein. Das ist meist ja auch wünschenswert, denn der Stein wird dadurch fester und Oberflächenrisse (auch Altersrisse) schließen sich, werden meist sogar unsichtbar.

Tauchen:
o Den Bernstein am Faden in den angerührten Lack hängen. Dauer: ca. eine halbe Minute. Soll der Lack tief in Risse einziehen, dann länger; soll er es nicht, dann entsprechend nur wenige Sekunden. Vorteil des längeren Eintauchens: feinste Luftbläschen, die aus dem Stein kommen(aus den Rissen, Löchern), schwimmen auf und können sich nicht im Lack halten.
o Nun den Bernstein am Faden langsam aus dem Lack ziehen, etwas abtropfen lassen und in den vorbereiteten Kasten hängen (Nadel ins Styropor stecken).
o Nach ca. 1 Minute (nicht länger warten) mit einer Nadel den letzten Tropfen, der noch unten am Bernstein hängen bleibt, abnehmen.
o Klappe zu, staubfrei trocknen lassen.
o Trocknungszeit: handtrocken schon nach wenigen Stunden, voll durchgehärtet nach 1 Tag. Soll der Stein noch weiter beschliffen werden, dann besser 2 Tage härten lassen.
o Faden direkt am Stein abschneiden, fertig! Ich lasse bewusst das Fadenende am Stein (man kann es auch ganz abbrechen), damit ich auf den ersten Blick sehe, ob der Stein getaucht ist.



o Mini-Bernsteine kann man nach dem Tauchen sogar noch in Kunstharz eingießen, siehe "Tipps zum Eingießen".

Winzige Inklusensteine oder kleine Steine mit nicht planer Oberfläche über der Inkluse kann man auch in einen Kunstharzblock eingießen. Das ist einerseits optimale Konservierung und gibt andererseits beste, unverzerrte Sicht. Nähere Informationen zur Kunstharzkonservierung siehe Info 7.

Langzeiterfahrungen:
persönliche Erfahrungen reichen fast 20 Jahre zurück, ich habe keine Veränderungen des Lacks festgestellt. Seit fast 15 Jahren hängt ein konservierter Bernstein mit der Nadel am Faden an der Gardine im Licht - bisher keine sichtbaren Veränderungen. 'Gelackte' Bernsteine können jederzeit ein weiteres Mal zusätzlich konserviert werden. Kunstharzkonservierung (sehr arbeitsintensiv!): ich kenne über 50 Jahre alte Präparate, die immer noch glasklar und unverändert sind. Andererseits kenne ich auch aus alten Schulsammlungen Präparate, die milchig weißlich geworden sind und man kann den eingegossenen Inhalt kaum mehr erkennen.

Was so alles beim Konservieren passieren kann:

Der Faden fällt ab, weil der Lack+Verdünner den Kleber angelöst hat. Passiert, wenn man nicht lange genug wartet, bis der Kleber wirklich durchgehärtet ist (beim UHU-Zweikomponentenkleber z.B. mindestens einen Tag).

Kleine Körnchen und Staub und Fussel verunstalten die schöne glatte Lackoberfläche - diese Beschwerden habe ich gerade von einem Sammler gehört. Grund: nicht staubfrei genug gearbeitet. Also:
o verwitterte Krusten abkratzen, Schleifmittel aus den Ritzen kratzen (Einwegspritzen eignen sich gut), gründlich mit Wasser abbürsten (Zahnbürste)
o mit Tuch abtrocknen, das nicht fusselt
o sofort den Bernstein in ein Minigripbeutelchen stecken, da Bernstein Fussel magisch anzieht (siehe elektrostatische Aufladung...)
o zum Ankleben des Fadens die Bernsteine in einen flachen Kasten, Schublade o.ä. legen und nach Anbringen der Fäden den Kasten abdecken
o erst kurz vor dem Tauchen Deckel abheben
o staubfrei aufhängen

Grundsätzlich gilt also: absolut staubfrei arbeiten! Nach einem Tag (besser nach einem halben Tag, da dann die erste Lackschicht noch nicht ganz fest ist) ein zweites Mal tauchen ist vor allem bei kleinen Bernsteinen oder bei Stücken zu empfehlen, bei denen man sehr dicht an die Inkluse rangeschliffen hat.

In letzter Zeit befassen sich die Institute, die Bernsteinsammlungen besitzen, immer mehr mit diesem Thema. Sogar Doktorarbeiten, die sich mit der Alterung des Bernsteins, der Konservierung, dem Autoklavieren beschäftigen sollen, sind geplant.
Wir haben vor einigen Jahren einen Mitarbeiter des Deutschen Bernsteinmuseums Ribnitz-Damgarten und in Folge an der Hamburger Universität einen Biologen aus Göttingen in die Kunst des Konservierens eingewiesen. Er hat diese Richtung so vertieft, dass er eine Veröffentlichung herausbrachte:
Die Königsberger Bernsteinsammlung ist gefährdet! Konservierung - aber wie?
Bericht über Voruntersuchungen zur Konservierung von gealtertem Bernstein, 2002
Dwillies&Jahnke, Geowissenschaftliches Zentrum Göttingen


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